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Streckenverlauf im ÜberblickDer Reiz der Mariazellerbahn besteht sicher nicht darin, dass sie die höchste, steilste, schnellste, etc. unter den Schmalspurbahnen ist, eher in ihrer sanften - und genialen - Ausnutzung der natürlichen Geländeformen, ohne spektakuläre Kunstbauten und mit einer geradezu zierlichen Streckenführung (siehe auch Leitartikel von Martin Kirchmair). Die Schmalspurbahn (760 mm) führt über 85 km von der Landeshauptstadt St. Pölten quer durch das Alpenvorland zu dem bekannten Wallfahrtsort Mariazell. Sie trifft auf ihrem Weg von St. Pölten nach Mariazell auf vier Flußtäler:
Die Talstrecke verläßt kurz nach St. Pölten das Traisental und wechselt über sanfte Höhen ins Pielachtal. Entlang der Pielach geht vorerst bis zur Station Schwarzenbach und von da entlang des Nattersbaches bis Laubenbachmühle. Hier beginnt die Bergstrecke, die über eine Wasserscheide ins obere Erlauftal führt.
Ab Obergrafendorf führt eine Zweiglinie - die "Krumpe" - quer durch das Melker Alpenvorland über Mank zur Messestadt Wieselburg. Überblick zur GeschichteDie ersten Pläne für diese Bahnlinie entstand kurz nach Bau der Westbahnstrecke (1853), aber erst 1895 wurde der Bau der "Pielachtalbahn" beschlossen. Mit dem Bau wurde November 1896 begonnen, die Eröffnung der Stammstrecke St. Pölten - Kirchberg - Mank erfolgte am 4. Juli 1898. Die ersten eingesetzten Dampfloks wurden von Kraus & Comp., Linz, geliefert, diese vier Triebfahrzeuge von der Reihe U besorgten den Betrieb in den ersten 6 Jahren. In weiterer Folge (ab 1902) wurde die Bahnlinie bis Laubenbachmühle (1905) weitergebaut, der Bau der Bergstrecke dauerte bis 1906 (Aufnahme des Güterverkehrs bis Mariazell). Der Personenverkehr nach Mariazell wurde am 2. Mai 1907 aufgenommen, bis zum Sommer 1907 wurde dann die Bahnlinie bis Gußwerk fertiggestellt.
Zwischen 1907 und 1911 wurde die Mariazellerbahn als erste österreichische Bahnlinie vollständig elektrifiziert, die dafür ebenfalls von Kraus & Comp., Linz, hergestellten Lokomotiven der Baureihe E, nunmehr Reihe 1099 sind heute noch im planmäßigen Betrieb (Weltrekord). Der erste Bauabschnitt der "Krumpe" reichte bis Mank, daher sind fallsweise noch alte Grenzsteine mit der Bezeichnung St.P.K.M. (Lokalbahn St. Pölten - Kirchberg an der Pielach - Mank) zu sehen. Diese Strecke wurde in den Jahren bis 1922 bis Gresten erweitert, wurde allerdings nie elektrifiziert. Die MzB überstand die Kriegswirren immer relativ unbeschadet, seither wechseln sich Euphorie und Demontage ab, in der Summe überwog - wie bei den meisten Lokalbahnen - der schleichende Niedergang. Bedeutung heute und Blick in die ZukunftDie Problematik von Nebenstrecken, besser gesagt: Lokal- oder Regionalbahnen ist allgemein bekannt und auch die MzB litt in der Vergangenheit unter den bekannten Fehlentscheidungen.Am 20. Juni 1996 wurde der "Regionalbahn - Verkehrsdienstevertrag für das Land Niederösterreich" von NÖVOG und ÖBB unterzeichnet, darin wird u.a. vereinbart, daß alle 26 Nebenbahnen Niederösterreichs erhalten bleiben und dass sich der Bund verpflichtet, die Infrastruktur aller Strecken zu erhalten. Im Frühsommer 1998 wurde eine (weitere) Studie zur MzB vorgestellt (INFORA I), in der die drei Kernbereiche Nah-, Touristik- und Güterverkehr in mehreren Szenarien beurteilt werden. Diese Studie steht in ihren grundlegenden Aussagen außer Streit. Bei den 100-Jahr-Feiern im Frühsommer 1998 wurden in den Festreden - auch von Seiten der ÖBB und der GdE wunderbare Worte geschwungen. Im Frühjahr 2000 wollte sich dann auf einmal die ÖBB generell von den Nebenbahnen (C-Strecken) zurückziehen und es begann von Neuem dieses unsägliche Gerede um Verluste und da spielten Chancen und Möglichkeiten bei einer dieser Nebenbahnen keine besondere Rolle. Unter dem neuen Vorstand der ÖBB (im Amt seit Sommer 2001) gab es dann auf einmal die Kehrtwende. Thema: Mögliche Umspurung zwischen St. Pölten und Kirchberg an der Pielach Verkehr auf der Talstrecke:
Derzeit wird der Verkehr einigermaßen mit lokbespannten Zügen und den Triebwagen der Reihe 4090 und 5090 abgewickelt, eine Forcierung (das Potential steht außer Streit!) ist mit dem vorhandenen Material nicht möglich. Hier besteht sowieso Handlungsbedarf und es wird von allen Seiten immer wieder betont, dass eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs im Bereich der Talstrecke dringend notwendig wäre. Güterverkehr: Es wird immer wieder behauptet, daß eine Wiederaufnahme des Güterverkehr auf der Bergstrecke - speziell der Holztransport zu dem großen Sägewerk in Gußwerk - eine deutliche Ergebnisverbesserung bringen würde, diese Ansicht konnte allerdings mit der letzten Studie nicht bestätigt werden, vielmehr wurde (auch unter Berufung auf diese Studie) per 31.12.1998 der Güterverkehrs eingestellt (und auch das Sägewerk hat nunmehr einen Besitzerwechsel samt "Resizing" hinter sich). Das Fehlen von nennenswerten Industrie ist aus touristischer Sicht sehr positiv (Mitterbach wirbt mit "keine Industrie im Umkreis von 60 km", ist natürlich absoluter Nonsens bei 50 km Luftlinie nach St. Pölten), bedingt aber das Fehlen von zu attraktiven Preisen mit der Bahn zu tranportierenden Gütern, daher wurden auch die Anschlußgleise bereits überall demontiert. Klar ausgesprochen: das Potential liegt nicht in diesem Segment und buchhalterische Zuordnungen (Kostenteilung) sollten nicht die Basis für eine Zukunftstrategie bilden. Verkehr auf der Bergstrecke: Ein Hauptgrund zur Errichtung der MzB war der Transport von Wallfahrern nach Mariazell, damit unterscheidet sie sich wesentlich von den anderen Nebenbahnen in unserer Region, die Ybbstalbahn (Region Eisenstraße) hatte immer ein wesentlich stärkeres Güteraufkommen. Den Umstieg vom reinen Massenverkehrsmittel (Wallfahrer) in den Zeiten der Postkutsche zur Tourismusbahn - bei der auch das Fahrterlebnis ein wichtiges Verkaufsargument ist - ist nie gelungen. Dabei darf aber das Potential der Wanderer (speziell zwischen Erlaufklause und Wienerbruck) und die Rückfahrt von Fußwallfahrern nicht vergessen werden, darum wird seit Jahren - vergeblich - die Stationierung von Verstärkungswagen in Mariazell vorgeschlagen. Nostalgie- und Tourismuszüge: Zugleich mit der MzB wurden weitere Bahnen in der Region Ötscher - Eisenstraße errichtet, gemeinsam mit diesen Nachbarstrecken entwickelt sich die Region um den Ötscher heute langsam als das Dampf- und Nostalgiezentrum im Osten von Österreich, dieses Marktsegment wird seit kurzem auch von den überregionalen Tourismusverbänden erkannt und massiv beworben. Auch wenn die Zeiten von Wallfahrzügen von 14 Vierachsern mit Doppeltraktion (vorerst?) vorbei sind, gibt es immer noch viele Reisegruppen (auch in Sonderwagen) mit Ziel Ötschergräben, Erlaufsee oder Mariazell. Den Freunden der Mariazellerbahn gelang mit relativ bescheidenen Mitteln binnen von 3 Jahren eine Wiederbelebung dieser privaten Gruppenreisen im planmäßigen Zügen (Benefizfahrt, Mariazeller Advent, siehe auch Nachlese). Auch die durchgehenden Dampfsonderzüge (St. Pölten - Mariazell) sind seit Jahren gut besetzt oder ausverkauft, speziell der Touristikzug Panoramic 760 mit Salon-, Speise- und Gesellschaftswagen hat sich sehr gut am Markt positioniert. Gerade diese Garnitur zeigt, wie auch schon mit minimalen Mitteln ein durchschlagender Erfolg erzielt werden kann!
Zusammenfassung:Weiterhin sind Züge mit 200 Fahrgästen sowohl im Regionalverkehr, als auch im Touristikverkehr über die Bergstrecke nichts besonderes, auch eine Doppeltraktion 1099 (ab 8 Vieracher) gilt als Regelbetrieb und selbst Züge mit 400 Reisenden werden laufend geführt. Derzeit ist die Situation entspannt, durch den Einsatz von Diesel-Triebwagen der Reihe 5090 bei Nebenumläufen, dem nunmehr laufenden Einsatzes des E-Triebwagen 4090 und Sanierung der meisten Langsamfahrstellen wird der Planverkehr pünktlich abgewickelt, der Touristikverkehr und die Dampfzüge boomen weiterhin.Ob und wie es weitergeht, wir werden es erfahren ... |
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